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Review: Mafia-Daily.net testet Mafia II

Review von Mafia-Daily.net

Dank der freundlichen Unterstützung von 2K Games Deutschland trudelte zwei Tage vor dem offiziellen Release ein Päckchen mit Testmustern bei mir ein. Grund genug um Mafia II nicht nur durchzuspielen, sondern auch einen ausführlichen Testbericht zu verfassen. Getestet wurde die finale, deutsche Xbox 360 Version, wie sie ab 27.08.2010 im Handel erhältlich ist. Der Abspann lief auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad nach knapp 13 Stunden.

Mafia II setzt die Messlatte für Open-World-Games – oder besser gesagt Third-Person-Shooter mit offener Welt – ein ordentliches Stück nach oben. Fährt man das erste mal über den Highway Richtung Stadtmitte, wird man Augenzeuge einer wunderschönen Skyline und wünscht sich, seinen Blick niemals mehr davon abwenden zu müssen. Doch gerade das sollte man tun, sonst verpasst man einiges! Es sind die vielen kleinen grafischen Details, wie Schnee der vom Autodach fällt oder leckende Rohrleitungen, die aus der architektonisch wunderschön zusammengesetzen Welt ein lebendiges Stadtbild mit einer glaubwürdigen Atmosphäre zaubern. Egal, ob zu Beginn des Spiels im Winter oder später im Sommer, eine Augenweide ist Mafia II immer. Ein besonderes Lob verdienen sich die tollen Innenlevels, die stilistisch perfekt gestaltet wurden und einen Großteil zur grafischen Qualität beitragen. Nicht minder hübsch anzusehen sind die unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterlagen. Noch nie haben die Lichter der entgegenkommenden Autos den Spieler realistischer geblendet, als in Mafia II. Zugegeben, die Texturqualität kann nicht mit einem aktuellen Ego-Shooter mithalten, jedoch ist es das Gesamtbild der Optik, welches einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Auf dem PC wirkt die Grafik nochmal eine Ecke schöner. Zu verdanken hat sie das den schärferen Texturen und wuchtigen PhysX-Effekten, die über die GPU berechnet werden.
Den exzellenten Eindruck trübt gelegentliches Kantenflimmern und teilweise unschöne Popups.

Sound

Die Demo hat es bereits erahnen lassen, der 120 Songs umfassende Soundtrack mit den Hits der 40er und 50er Jahre lässt keine Wünsche offen. Nicht nur im Radio darf man den Songs lauschen – überall in Empire Bay hört man die hervorragende Musikauswahl. Ob in Restaurants, den Radios anderer Fahrzeuge oder auch in den Missionen, für musikalische Feinkost ist stets gesorgt. Auch die Radiosendungen – die es übrigens ausschließlich auf Englisch ins Spiel geschafft haben – sind sehr gelungen. Zu Beginn der Kampagne hört man Meldungen frisch von der Front des Zweiten Weltkrieges, später darf man Berichten über seine eigenen Taten lauschen. Selbst die Werbespots sind ihren realen Vorbildern nachempfunden. Ob man es glauben will oder nicht, früher hat Werbung noch Spaß gemacht.
Hinzu kommt ein dreistündiger orchestraler Soundtrack, der sich perfekt ins Spielgeschehen einfügt. 2K Czechs Matus Siroky ist damit ein erstklassiges Werk gelungen, das sich vor keiner Hollywood-Komposition verstecken muss.
Ebenfalls zur Soundkulisse gehört die Vertonung der Dialoge im Spiel. Die Auswahl der deutschen Sprecher ist durchweg gelungen. Selten hat man ein solch erstklassiges Ergebnis in einem Videospiel vorgefunden. Zuletzt wohl anno 2002 beim Vorgänger. Doch leider gibt es hier auch eine Schattenseite. Die Dialoge sind oftmals nicht lippensynchron. Zudem sind einzelne Sätze mal lauter, mal leiser – im selben Gespräch. Das trübt den sonst wirklich erstklassigen Eindruck etwas, tut der Atmosphäre aber keinen Abbruch. Eventuell kann hier ein kommender Patch für Nachbesserung sorgen.

Story & Charaktere

Die beste Geschichte, die ich bislang in einem Computerspiel erleben durfte, war die von Mafia I. Nachdem auch die Story des Nachfolgers aus der selben Feder, nämlich der von Daniel Vavra stammt, hatte ich diesbezüglich ganz besonders hohe Erwartungen, welche leider nur zum Teil erfüllt wurden. Ja, die Geschichte von Mafia II ist gut, und ja, sie bietet interessante Wendungen und wartet mit einigen Überraschungen auf. Es gibt Anspielungen auf den Vorgänger und der Spieler erlebt ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Alles eingebettet in haufenweise genial gefilmter und rasant geschnittener Zwischensequenzen. Die vielen Zeitsprünge ermöglichen den Wechsel von Wetter und Jahreszeit, unterbrechen aber den Fluss der Geschichte. Was mich jedoch persönlich enttäuscht hat, war das Ende. Denn eigentlich gibt es keins. Man hat das Gefühl, es müsste das nächste Kapitel kommen, doch stattdessen flimmert der Abspann über den Bildschirm. Das Ende von Mafia II ist völlig offen, als würde ein Teil des Spiels fehlen. Ich gehe davon aus, dass in wenigen Monaten ein DLC oder Addon erscheint, welches die Handlung fortführt. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre es eine ziemliche Enttäuschung, zumal man schließlich die alternativen Enden zugunsten des „grandiosen“ Schlusses getrichen hatte und die Spielzeit mit 13 Stunden für ein Spiel dieser Art erschreckend kurz ausfällt.
Getragen wird die spannende Handlung durch größtenteils brillant gezeichnete Charaktere. Der tollpatschig-rabiate Joe Barbaro, der eiskalte und dennoch menschliche Henry Tomasino oder der stiefbrüderlich behandelte, unerfahrene Marty – man schließt viele Charaktere schnell in sein Herz. Leider kommen einige Figuren zu kurz und wirken daher etwas blass. So ist es nur einmal zwingend notwendig den Waffennarr Harry zu besuchen und Vitos Schwester Francesca hört man nach nur wenigen Auftritten das letzte Mal am Telefon.
Auch bezüglich der Charaktere wäre eine Fortsetzung in Form eines Addons oder DLCs sehr wünschenswert.

Missionsdesign

Abwechslung wird in Mafia II groß geschrieben. Egal ob eine Lagerhalle am Hafen, eine Gießerei im Norden, das Schlachthaus von Clemente oder das luxuriöse Empire Arms Hotel – sämtliche Schauplätze wurden mit einer schon fast extremen Detailverliebtheit erstellt. Überall finden sich kleine Details, passende Deko-Artikel sind so liebevoll in den Levels verteilt, da würde selbst eine Tine Wittler neidisch werden. Doch nicht nur die Örtlichkeiten strotzen vor Abwechslung, die Aufgaben in den Missionen stehen dem in nichts nach. Ob man nun eine Gangster-Karosse verfolgt, unbemerkt durch feindverseuchte Gänge schleicht, Zigaretten an den Mann bringt, Diamanten klaut, Frankie Potts entsorgt oder einen unfreiwilligen Boxkampf austrägt, langweilig wird es dem Spieler dank der Kreativität der Entwickler nie.
Umso ärgerlicher ist, dass es die Jungs von 2K Czech nicht geschafft haben, ordentliche Checkpoints zu setzen. Wenn man nach getaner Arbeit auf dem Nachhauseweg stirbt, weil man von einem scheinbar allwissenden Polizisten erschossen wird und daraufhin die komplette Mission erneut absolvieren darf, ist das schlichtweg extrem nervig. Hier muss definitiv nachgebessert werden.

Waffen & Fahrzeuge

Das wohl wichtigste Handwerkszeug in einem Actionspiel: Schießprügel mit mächtig Wumms! Davon hat Mafia II jede Menge. Auch wenn man die meiste Zeit mit den Klassikern Colt 1911 und Tommygun verbringt, haben die anderen Waffen durchaus ihre Berechtigung. Jede Waffe fühlt sich unterschiedlich an, richtet mehr oder weniger Schaden an und verzieht im Falle einer Schrotflinte – die auf Distanz erschreckend viel Schaden anrichtet – auch schon mal ordentlich. Etwas seltsam mutet jedoch die Unterbringung der Knarren am Mann an. Vito steckt so viele Waffen wie nur irgendwie möglich unter seine Klamotten. Wenn das mal nicht unbequem ist.
Leider gibt es im Spiel keine Nahkampfwaffen, wie Baseballschläger oder Schlagring. Gerade Letzterer hätte die simplen, dafür aber spaßigen Faustkämpfe zusätzlich aufgewertet.
Richtig klasse gelungen ist das Design und das Schadensmodell der Autos. Laut Entwickler befinden sich über 70 unterschiedliche Karossen im Spiel – mir kam es allerdings eher wie 40 vor. Die Steuerung geht mit Gamepad sowohl im Arcademodus als auch im Simulationsmodus erstaunlich leicht von der Hand. Bereits am Aussehen kann man erahnen, wie sich das Fahrzeug verhalten wird. Neben gewöhnlichen Karossen findet man auch einige außergewöhnliche Exemplare auf den Straßen von Empire Bay, so zum Beispiel ein Milchwagen oder ein gepanzerter Geldtransporter. Leider spielen diese Sondervehikel keinerlei Rolle in der Geschichte – viel verschenktes Potential.
Im Vorfeld wurde immer von der emotionalen Bindung des Spielers zu seinen Lieblingsautos gesprochen. Das Tuning sei so teuer, damit es nur für den Favoriten bezahlbar wäre. Man solle daher auf seine Karossen Acht geben, sie hegen und pflegen. Prinzipiell eine nette Idee. Wenn jedoch das Lieblingsauto am Ende einer Mission verschwunden ist, wird das alles zur Farce.

Spielwelt

Empire Bay, eine blühende Metropole an der Ostküste der USA. Nie sah eine Videospiel-Stadt schöner aus, als der Schauplatz von Mafia II. Knapp 20 unterschiedliche Viertel (alle mit eigenem Stil), verwundene Straßen, unterschiedliche Höhenstufen: ein detailverliebter Ort zum Staunen. Bevölkert wird die Metropole von zahlreichen NPCs, die ihren täglichen Aufgaben nachgehen. Auf diese Weise wird eine Lebendigkeit erzeugt, die Ihresgleichen sucht; leider wiederholen sich die Charaktermodelle zu oft.
Empire Bay ist gleichzeitig auch der größte Schwachpunkt am Spiel. Selbst wenn die Stadt deutlich kleiner als ein Liberty City ausfällt, wirklich viel sieht man während der Kampagne nicht davon. Immer und immer wieder befährt man dieselben Straßen, als gäbe es nur eine handvoll davon. Auch die Geschäfte enttäuschen. Zwar ist das Sortiment unterschiedlich, doch sehen alle Läden gleich aus – inklusive der Verkäufer. Und was ist mit den zahlreichen interessanten Gebäuden, wie dem riesigen Krankenhaus, der Polizeistation oder der Pferderennbahn samt Clubhaus? Davon fehlt in der Kampagne jede Spur. Auch die vermeintlichen Außenareale, der Damm, die Seitenwege,… all das wird komplett ignoriert.
Die KI der Gegner ist deutlich besser als im Vorgänger, hat aber gerade mit verschlossenen Türen manchmal ihre Probleme. Auch die KI der eigenen Mitstreiter versagt ab und an. So kommt es vor, dass Joe mitten im Kugelhagel regungslos stehen bleibt und erst nach einem Schubser wieder in Bewegung kommt. Auch hier gilt: nachbessern!

Fazit

Mafia II ist trotz der vorhandenen Mängel ein sehr gutes Spiel, das mit einer packenden Story (bis auf das Ende), tollen Charakteren, abwechslungsreichen Missionen und grandiosem Soundtrack aufwarten kann. An den Vorgänger kommt es jedoch nicht ganz heran. Dafür wurde zu viel Potential verschenkt. Dennoch gilt: klare Kaufempfehlung, Mafia II gehört zu den Spielen, die jeder mindestens einmal in seinem Leben erlebt haben muss.
Bleibt zu hoffen, dass ein Addon oder DLC die Story baldmöglichst fortführt.

Mein Lob und meinen Respekt an 2K Czech für dieses Spiel. Nur bitte lasst euch mit Teil 3 nicht nochmal 8 Jahre Zeit. Und bitte führt die Geschichte per Addon oder DLC zu einem würdigen Ende.

Pro

  • wunderschöne Grafik
  • grandioser Soundtrack und Score
  • sehr gute deutsche Sprachausgabe
  • klasse Charaktere zum Liebhaben
  • abwechslungsreiches Missionsdesign
  • Mittendrin-Gefühl
  • detailverliebte Spielwelt
  • gutes Waffenhandling
  • viele unterschiedliche Fahrzeuge
  • interessante Geschichte…
  • … mit vielen Wendungen und…
  • … Anspielungen auf den Vorgänger
  • exzellente Inszenierung
  • perfekt gestalteter Schauplatz
  • glaubwürdige Atmosphäre
  • hoher Wiederspielwert der Kampagne
  • unverkennbarer Stil der Entwickler

Contra

  • seltene Performanceeinbrüche und Popups
  • Radiosendungen nur Englisch
  • Dialoge oftmals nicht lippensynchron
  • einige Charaktere kommen zu kurz
  • dumme Polizei und KI-Aussetzer
  • Potential der Stadt bleibt ungenutzt
  • Deckungssystem manchmal hakelig
  • doofes, viel zu abruptes Ende
  • kein Freie-Fahrt-Modus

 Wertung

Grafik: 10/10
Sound: 9/10
Story: 8/10
Charaktere: 9/10
Missionsdesign: 10/10
Waffen: 9/10
Fahrzeuge: 9/10
Spielwelt: 8/10

Gesamt:

9/10

Neue Review des PLAY Magazins: 97%

PLAYHeute erreichte uns ein Testbericht von unseren polnischen Nachbarn. Das PLAY Magazin knöpfte sich Mafia II vor und kam am Ende des 10-seitigen Tests auf eine Traumwertung von 97%.

Die Schlussfolgerung des Testers lässt einem Fan die restliche Wartezeit nicht unbedingt leichter ertragen: „Mafia II bietet eine brilliante Story, setzt auf eine realistische Welt und ist von ausgesprochen hoher spielerischer Quailtät.“

Mehr Details zum Test verrät die nachfolgende Übersicht. An dieser Stelle vielen Dank an wojtas022 aus dem offiziellen Forum für den Hinweis.

Test des Official Xbox Magazine: 7/10

OXMMafia II legt wahrlich keinen guten Start hin. Im Test des englischen OXM heimste das Spiel eine bescheidene Wertung von 7/10 ein.

Interessanterweise wird die Linearität, welche von PC Zone bemängelt wurde, nicht mal erwähnt. Laut dem OXM seien die Charaktere „bestenfalls langweilige Tpyen, zuweilen kindische und frauenfeindliche Idioten“. Zudem spricht man von Actioneinlagen und Verfolgungsjagden zum Einschlafen.

Pro & Kontra:

+ interessante und detaillierte Spielwelt
+ guter Soundtrack
+ abwechslungsreiche Missionen

– langweilige Charaktere
– Action und Verfolgungsjagden auf Schlaftabletten-Niveau
– nachdem Vito die Schulden seiner Familie abgezahlt hat, gäbe es keinen Grund mehr in der Mafia zu bleiben, die Story verliert den Zusammenhang

Kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Es sind gerade einmal zwei Testergebnisse bekannt. Einig sind sich die Tester auch nicht. Was von PC Zone gelobt wurde, wird vom OXM bemängelt – und umgekehrt. Die nächsten paar Tests verschaffen hoffentlich Klarheit.